Liebe Ana, danke, dass Du Dich bereit erklärst hast und als erste Interviewpartnerin zur Verfügung stehst.
(Tonbandaufzeichnung vom 10.06.2008, Anas charmanter spanische Akzent wurde fast wörtlich übernommen.)
Vorname / Zuname ?
Ana Gonzalez Mier
Alter / Jahrgang ?
Jahrgang 1957
Sternzeichen ?
Wassermann
Staatsangehörigkeit ?
Ich bin Spanierin, weil die Eltern Spanier sind. Aber geboren in Argentinien, darum als zweite Staatsbürgerschaft Argentinierin. Ich habe beide.
Seit wann bist Du in Berlin und wo hast Du vorher gelebt ?
Ich bin in Berlin seit 1985. Vorher war ich in Spanien, in Madrid. Ich habe 2 Jahre dort gewohnt. Und vorher in Buenos Aires. Aber ich bin auch sehr viel gereist.
Was machst Du beruflich ?
Ich habe einen Großhandel in Silber- und Modeschmuck.
Was möchtest Du zum Thema: Single / Familie / Kinder sagen ?
Ich bin Single und ich habe ein Kind. Sonya, eine Tochter, 17 Jahre alt. Sonya bitte mit "Y".
Hast Du neben dem Eislaufen noch andere Freizeitinteressen ?
Ja, also ich war früher auch Tänzerin. (Klassik, Modern, Jazz). Ich habe ein paar Jahre getanzt auf der Bühne. Jetzt mache ich aber nur noch Eislaufen. Ich spiele auch ein bißchen Klavier.
Du bist Vereinsmitglied im ?
Ich bin Vereinsmitglied im BTSC.
Dein sportlicher Werdegang: Prüfungen, Wettbewerbe, Erfolge ?
Freiläufer 1997
Figurenläufer 1998
Eistanz Klasse 6 2000
Synchron Eiskunstlaufen mit N'Ice Time Berlin (heute Team Berlin Adults):
Swiss Cup 1999 - 2000 - 2001 - 2002
DEU-Pokal 2002
Einzellaufen:
Coupe de la Montagne-France 2004 - 2005
Deu Pokal 2002 - 2003 - 2004 - 2005 - 2006 - 2007 - 2008
ISU International Adults Competition (Oberstdorf)
2005 - 2006 - 2007 - 2008
Trainerausbildung Eiskunstlauf: C Lizenz Breitensport
Welche Sparte (Eistanz / Einzel / Paarlauf) läufst Du und warum keine andere ?
Ich laufe Eiskunstlauf. Ja, ich habe auch Eistanzen angefangen mit Birgit Aust, was ich sehr wichtig finde. Im Eistanz habe ich die Basis Klasse Prüfung (früher Klasse 6). Und danach habe ich peu à peu ein bißchen Eiskunst mit verschiedenen Trainern gemacht, danach aber fast nur mit Heidi Walther Steiner. Wenn ich Wettbewerbe mache, mache ich Eiskunstlauf Free Skate oder Showprogramme (mit Tanzelementen und wenig Sprüngen).
Seit wann machst Du Eiskunstlaufen ? Wann hast Du das erste mal auf Kufen gestanden ?
Ich war 39, als ich das erste Mal auf dem Eis war.
Wodurch wurde es ausgelöst ?
Sonya hat angefangen zu laufen im Verein. Da war sie 6 Jahre alt. Zwei Jahre später habe ich gedacht, ich möchte nicht mehr an der Bande stehen und nur zugucken. Ich möchte auch ein paar Sachen lernen. Und dann bin ich total verrückt geworden. Also, danach wollte ich noch mehr, noch mehr Eislaufen.
Was begeistert Dich am aktiven Eiskunstlaufen ?
Ja, also, es ist schön viele Sachen zu lernen. Sich zu verbessern. Man hat auch die Möglichkeit diese Wettbewerbe zu machen. Das von der einen Seite, von der anderen Seite, der Zusammenhang, die vielen Menschen, mit denen man zu tun hat. Man macht auch viele Freunde dabei. Es hat auch eine soziale Seite. Ich glaube, dass Eislaufen was für den Kopf ist. Es ist nicht nur für den Körper, man kann auch in ein Studio gehen und vielleicht mehr Erfolg haben, das weiß ich nicht. Das Eislaufen ist auf jeden Fall auch etwas für den Kopf und man kann das bis 80 oder auch 85 Jahre auch noch machen, das weiß ich.
Gibt es auch Sachen / Umstände die Dich bei diesem Sport nerven ?
Am Sport selbst nichts. Es gibt Sprünge, die muss ich 1000 mal üben bis ich das überhaupt hinkriege (lacht). Oder die Sitzpirouette, die nicht richtig runter kommt bei mir.
Gibt es ein eislauftechnisches Erfolgserlebnis woran Du Dich gerne erinnerst ?
Also..... Ich glaube, einfach Alles..... immer das Letzte was ich gerade mache. Jetzt ist es der Rittberger, den ich gerade mache. Wenn ich auf das Eis komme und das schaffe mit dem Rittberger. Wie zum Beispiel vor zwei Tagen, bin ich total high (lacht)!
Ein Missgeschick (lustig / traurig / schmerzlich) auf dem Eis, was am besten nicht passiert wäre ?
Also, als ich das letzte mal in Oberstdorf gefallen bin (lacht), beim Rittberger (lacht).
Dein durchschnittlicher Trainingsaufwand pro Woche / auch Trockentraining ?
Wenn ich kann, 3 oder 4 mal. Wenn ich kann. Manchmal 5 mal. Ich mache kein Trockentraining.
Welches Eislaufelement gefällt Dir besonders gut ? Kannst Du bzw. noch nicht ?
Pirouetten. Mit gefallen Pirouetten. Möchte mehr Pirouetten lernen. Was mir richtig gefällt, zu versuchen auf dem Eis Bewegungen die vom Jazz oder Modern kommen zu machen. Das ist irgendwie mein Ziel immer.
Welches Eislaufelement trainierst Du im Augenblick besonders intensiv ?
Vom Eiskunstlauf dieser Rittberger, damit ich es immer hoch kriege.
Ein Aha-Erlebnis und eine Erfahrung im Training, die ich gerne teilen möchte, weil sie vielleicht Anderen hilfreich ist ?
Schwierige Frage. Also, ich glaube man sollte den Körper nicht vergessen. Es gibt ganz viele Sachen. Es ist manchmal Spannung, manchmal ist es Entspannung. Zur Spannung gehört auch Entspannung von der anderen Seite dazu. Das ist sehr, sehr wichtig.
Was möchtest Du eislauftechnisch auf jeden Fall noch erreichen und gibt es für Dich Grenzen ?
Grenzen ? (lacht) Also, ich möchte auf dem Eis sehr schnell laufen. Schneller laufen. Sicherer laufen. Und ich möchte auch Bewegungen vom Jazz und vom Modern auf den Eis bringen. Auch ein paar Sprünge noch vielleicht, Flip und Lutz vielleicht. Die kann ich noch lernen. Sicher. Grenzen ? Ich glaube nicht. Ich habe auf zwei Füßen den "Axel" gemacht, in einem Training. Ich glaube nicht an die Grenzen wegen des Alters.
Nach welcher Musik läufst Du am liebsten oder möchtest Du noch laufen ?
Ich habe gerade nach "We Will Rock You" von Queen gelaufen. Das war sehr gut. Das war irgendwie ein Ziel das ich hatte. (lacht). Mal sehen, werde sicher noch nach andere Musiken laufen. Laufe jetzt nach "And All That Jazz", ein Track vom Musical Chicago. Das mache ich jetzt.
Welche/r Eisläufer/in hat Dich bis jetzt am meisten inspiriert Dich und warum ?
Von den Profis: Norbert Schramm. Ich kenne ihn auch persönlich. Ich mag seinen Style. Ich weiß, dass er einen Rückwärtssalto kann, dass habe ich gesehen von ihm. In der Zeit wo ich ihn kennen gelernt habe, habe ich mich noch nicht so für Eislaufen interessiert. Ich weiß nicht was er gemacht hat. Aber sein Style. Sein Style hat mich immer sehr angetan.
Seine Art zu laufen ?
Ja.
Gibt es eine gesehene Kür, die Dich nachhaltig ganz toll beeindruckt hat ?
Also, zum Beispiel von Norbert Schramm. Ich habe eine Kür gesehen und das alles auf zwei Füßen war. Das war sehr beeindruckend. Das war sehr, sehr gut.
Wo war das ?
Ich kann mich nicht mehr erinnern. Also, das war im Fernsehen. Tschja,… von Plushenko, die war sehr, sehr gut. Eine Kür gesehen, mit dem Geiger. Die war auch sehr, sehr gut.
Gibt es ein Kür / Free skate / Spotlight an der Du im Augenblick arbeitest ?
Ja, das ist "And All That Jazz" eine Spotlight Nummer. Und danach werde ich noch eine Kür machen mit ganz vielen Sprüngen. Meine Free Skate Kür, die Sprünge und Pirouetten trainiere ich sehr gerne mit meiner Trainerin Heidi Walther-Steiner. Für meine Spotlight Kür Choreografie habe ich für die Armbewegungen mit Elisa Sigmund gearbeitet.
Wie kam es zu der Musikauswahl und warum hast Du diese Wahl getroffen ?
Es war eine Idee. Ich habe mich getroffen mit Birgit Aust. Meine Trainerin für meine Spotlight Nummer. Frage war, was machen wir für die nächste Saison ? Ich habe mal eine Kür gemacht"Mack The Knife"- "Mecki Messer". Das war eine geniale Kür. Wir können was in dieser Richtung machen. Das muß sein, also fiel die Wahl auf"And All That Jazz". Damit möchte ich das Jazzgefühl rüberbringen. Jazz tanzen. Mit ganz vielen Schritten, keine Sprünge. Schnell laufen. Sehr viel Jazz, sehr viel Modern drin. Mit viel Show darin.
Wie kommst Du zu Deinem Kürkostüm ?
Ich mache das selbst. Ich mache das im letzten Moment. Die Kür für Oberstdorf zu der Musik von "Summertime", das Kleid habe ich in Berlin eine Woche vorher gekauft (lacht). Es kann wirklich ganz spontan sein. Fünf Minuten vor dem Wettbewerb. Macht nichts.
Was ist für Dich bei Wettbewerben wichtig ?
Spaß haben. Also ich möchte Spaß haben. Besser als 5. war ich nie, das ist für mich sehr gut. Ich war jetzt in Oberstdorf im Showprogramm. Ich war 7.von 12. Ich war die beste von Bronze, es war Bronze und Silber zusammen. Ich war die beste von Bronze und noch eine von Silber war hinter mir. Also das war sehr, sehr gut für mich. Aber ich bin der Meinung das Platzierungen sind gut, weil man damit andere Sachen erreicht. Ein bißchen Ruhm vielleicht, man kann damit andere Sachen machen deswegen. Aber ich möchte Spaß haben. Ich trainiere sehr, sehr hart das ganze Jahr. Mit sehr viel Spaß, aber ich trainiere richtig motiviert. Aber wenn ich auf dem Eis bin bei diesem Wettbewerb, ich möchte Spaß haben.
Du bist Breitensportlerin, sind Wettbewerbe für Dich wichtig ?
Sehr, sehr wichtig. Es macht Spaß.
Gibt es ein bestimmtes Ritual, einen Glücksbringer oder einen bestimmten Ablauf bevor Du auf das Eis gehst, der für Dich bei einem Wettbewerb vorher wichtig ist ?
Nein. Ich konzentriere mich nur ein bißchen. Was bei mir eigentlich immer passiert. Ich bin gar nicht immer so konzentriert eigentlich. Ich möchte Spaß haben. Wenn das Eis leer ist, ich möchte Spaß haben (lacht). Ich möchte Spaß haben !
Dein nächstes Ziel im Eissport ist ?
Ja, weiter zu lernen. Ich will weiter lernen. Ich will weiter sein. Ich will schneller, ich möchte schneller bessere Kanten haben. Ich will Modern und auch Jazz auf das Eis bringen. Und das die Sprünge und Pirouetten besser sind.
Eine Eislauffee kommt und erfüllt Dir sofort 3 Wünsche ! Diese sind ?
1. Ich möchte Trainerin werden mit Vielen, die ich trainiere.
2. Ja, ich möchte noch mehr Wettbewerbe machen.
3. Schneller zu diesen Zielen zu kommen. Also Pirouetten und so. Also, dass meine Angst auf dem Eis schneller weggeht. Und damit werde ich die anderen Sachen besser können.
Ein Ausruf, eine Ermunterung, eine Botschaft von Dir an alle Eislauf - Breitensportler ?
Ich würde sagen : Macht weiter Eis ! Auch wenn das manchmal ein bißchen mühsam ist. Außerdem ist es auch vorbeugend gegen Krankheiten. Auch für den Kopf und für die Seele. Nicht nur für den Körper allein ! Und noch etwas: Erwachsene sind lernfähig, auch bei mir (lacht)! Es lohnt sich weiter zu machen! Es lohnt sich weiter zu machen, bestimmt. Es lohnt sich Wettbewerbe zu machen. Es ist gut für uns. Nicht nur technische Sachen - es ist auch Spaß!
Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Hier kannst du deinem Herzen Luft machen und konstruktive Kritik üben. Zum Thema "Eiskunstlauf - Breitensport" in Berlin: was bewegt Dich und was ist für Dich verbesserungswürdig.
Deine öffentliche Meinung ist wichtig und hilft Bewußtsein zu verändern !
1. - In Ländern wie USA und Kanada gibt es ein selbstverständliche Akzeptanz für Erwachsene im Breitensport. Auch die ISU hat dies seit 4 Jahren begriffen und darum die internationale Erwachsenen Wettbewerbe in Oberstdorf ins Leben gerufen. Ich wünsche mir eine natürliche Anerkennung im Eiskunstlauf. Das Erwachsene auch Leistungen und Verbesserungen bringen können. Sie sind auch lernfähig bis ins hohe Alter.
2. - Ein großer Erwachsenen Wettbewerb vereinsübergreifend sollte hier in Berlin stattfinden.
3. - Eine bessere Organisation der Wartungszeiten der 5 Hallen in Berlin, so dass immer mindestens 2 offen sind. Dass genug Zeiten und Platz für alle Eislauffreunde sind, Leistungs- und Breitensportler.
4 - Die Möglichkeit für Erwachsene auch auf dem Eis zu laufen, wenn Kinder trainieren, wenn genug Platz da ist. Natürlich mit gegenseitiger Rücksichtnahme aller.
Nach einer Kaffeepause
Nachgefragt :
Ana, ich habe Dich oft sagen hören: "Ich bin eine Schlittschuhmama". Du hast dabei gelacht und gestrahlt. Meine Frage ist: Was ist in Deinen Augen eine gute und was ist eine schlechte Schlittschuhmama ?
Lacht. Das hat mich ja noch niemand gefragt. Das ist eine schwierige Frage. (lacht) Ich weiß gar nicht, ob ich eine gute oder schlechte Schlittschuhmama bin. So ein Quatsch. Also ich habe erst einmal Eislaufen angefangen wegen mein Kind. Also ich muss danken meinem Kind, dass ich diesen Sport kennen gelernt habe. Und das mein Kind so angefangen hat. Das ist eine gute Sache.
Hmmmmm… ich habe mein Kind immer gesagt, sie soll alles machen was sie kann. Nicht weniger und auch nicht mehr. Ehrgeiz, mäßiger Ehrgeiz ist sehr gut. Zu ehrgeizig ist falsch, ist man krank. Macht auch die Leute krank. Sie muss wirklich alles machen was sie kann. Ich versuche, dass die Trainer auch von meiner Tochter alles rausholen was sie kann. Ja, ich glaube das ist eine gute Eislaufmama. (lacht). Was gut ist dabei, mein Kind kommt zu allen unsere Erwachsenen Wettbewerbe und sie ist ganz stolz auf uns. Also, da bin ich besonders Stolz, dass mein Kind so ist. Da muss ich für mein Kind sprechen und auch dass sie weiter macht. Sie ist bei den Junioren jetzt und sie hat Spaß am Eis laufen. Ich glaube ein Kind und auch ein Erwachsener kommt nur weiter, wenn man Spaß hat, was man macht.
Die schlechte Eislaufmama intregiert und versucht andere Kinder kaputt zu machen hinter den Kulissen. Das ist eine schlechte Eislaufmama. Und versucht auf sein Kind Druck auszuüben, Leistung zu bringen. Also, versucht es mit schlechter Laune, mit Drohungen. Das ist eine schlechte Eislaufmama. Also, dass werde ich ganz genau nicht sein! (lacht)
Wir haben zusammen das Interview gehört, möchtest Du noch etwas ergänzen ?
Ja, der Erwachseneneislauf hat mit Bewegung zu tun. Es ist nicht nur über das Eis rutschen. Es gibt einen Zusammenhang mit unsere Gesundheit. Es ist gut für Kopf, Seele und hat einen großen sozialen Aspekt und ganz viel Spaß ! Das ist sehr wichtig und das möchte ich noch einmal groß unterstreichen. Wettbewerbe sind nicht nur zur Bewertung da, oder um sich zu zeigen, sondern auch für uns, um es zu genießen. Andere Leute aus anderen Ländern zu treffen und neue Freunde zu machen. Auch Sport zu zeigen und das Erwachsene lernfähig sind, sie ein Teil der Sportwelt sein können.
Liebe Ana, danke für das offene Gespräch.
* * *

Grimma 2003
Grimma 2005

Oberstdorf 2005

Villard de Lans 2005

Oberstdorf 2006

Ana mit O. Cinquanta 2006
Oberstdorf 2007
Eine "echte Heidemarie Walther-Steiner" Sitzpirouette 2007

2008 - Meine erste einwärts-auswärts Standpirouette mit 3 Umdrehungen
Sonya Oberstdorf 2007
ISU Adult Competition - We Will Rock You
Oberstdorf 2008 - Free Skate

SCC-Pokal 2009

Oberstdorf 2009
"And all that Jazz" - Choreografie: Birgit Aust
"Rumba"
Choreografie: Heidi Walter-Steiner

v.l., Gabi, Ana und Pierre

mit Trainer Pierre








