Bettina

Vorname / Zuname ?

Bettina Keil

Alter / Jahrgang ?

1966

Geboren / wo ?

Habe die ersten 30 Jahre meines Lebens im Rhein-Main-Gebiet gelebt.

Sternzeichen ?

Revoluzzer Assistent Zicke

Staatsangehörigkeit ?

deutsch

Seit wann in Berlin / wo vorher ?

Seit 11 Jahren lebe ich in Berlin.

Beruf ?

Arbeite bei einem Energiekonzern in der Personal-/Organisationsentwicklung

Zum Thema: Single / Familie / Kinder ?

Ich wohne alleine - ohne Kind, Kegel oder Freundin, aber mit vielen Rechnern.

Hast Du noch andere Freizeitinteressen ?

Gerne sitze ich stundenlang in Cafés, qualme was die Lunge verträgt und quatsche. Und ich liebe High-Tec Geräte aller Art - wenn sie funktionieren.

Du bist Vereinsmitglied im.... ?

Nach 11 Jahren im Berliner TSC bin ich gerade auf der Suche nach einer neuen Vereins-Heimat auf dem Eis.

Seit 2009 im BSV 92.

Dein sportlicher Werdegang: Prüfungen, Wettbewerbe, Erfolge ?

+ GG Amsterdam 1998 (no judging at all due to problems with the ISU)

+ GG Sydney 2002 (Free Skating/Artistic): 2. place

+ GG Sydney 2002 (Spotlight): 1. place

+ GG Chicago 2006 (Free Skating): 2. place

+ GG Chicago 2006 (same-sex couples): 1. place

+ Mountain Cup 2002 (Free Skating) 2. place

+ Mountain Cup 2004 (Interpretive): 2. place

+ Mountain Cup 2004 (Free Skating): 1. place

+ Mountain Cup 2005 (Figures): 1. place

+ Mountain Cup 2005 (Free Skating): 1. Place

+ Mountain Cup 2007 (Free Skating): 1. Place

+ Mountain Cup 2008 (Free Skating): 1. Place

+ DEU-Pokal 2002, Grimma (Free Skating): 1. place

+ DEU-Pokal 2003, Grimma (Interpretive): 1. place

+ DEU-Pokal 2004, Grimma (Interpretive): 3. place

+ ISU Adult Competition 2005, Oberstdorf (Free Skating): 1. place

+ ISU Adult Competition 2006, Oberstdorf (Free Skating): 1. place

+ Dune of Flunders Cup 2004, Dunkerque (Free Skating): 1. place

+ Fabulous Cup 2005, Cologne (Free Skating): 1place

+ Fabulous Cup 2005 Cologne (Spotlight): 1. place

+ Fabulous Cup 2005, Cologne (same-sex couples): 1. place

+ Fabulous Cup 2006, Cologne (Free Skating): 2. Place

+ Fabulous Cup 2006, Cologne (same-sex couples): 2. Place

+ Fabulous Cup 2007, Cologne (Free Skating): 1. Place

+ Fabulous Cup 2007, Cologne (same-sex couplese): 1. Place

+ Fabulous Cup 2008, Cologne (Free Skating): 1. Place

+ Fabulous Cup 2008, Cologne (same-sex-couples): 2. Place

+ Fabulous Cup 2009, Cologne (Solo Creative Free Skate 7): 1. Place

+ Fabulous Cup 2009, Cologne (Improvisation / Damen B-II): 2. Place

+ Fabulous Cup 2009, Cologne (Solo Spotlight / Damen 7+8): 4. Place

+ Fabulous Cup 2009, Cologne (Same-Sex-Couples CP 7): 1. Place

+ World Outgames 2009, Kopenhagen (Solo Creative Free Skate 7): 1. Place

+ World Outgames 2009, Kopenhagen (Solo Artistic): 2. Place

Welche Sparte (Eistanz / Einzel / Paarlauf / Free Style / Synchron) läufst Du und warum keine andere ?

In erster Linie laufe ich solo. Seit ein paar Jahren mache ich mit wachsender Begeisterung Paarlauf mit einer Frau. Wenn der Körper die Springerei nicht mehr mitmacht, verlege ich mich vielleicht aufs Eistanzen. Aber da fehlt es bei mir am Takt-Gefühl.

Seit wann machst Du Eiskunstlaufen ?

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Wodurch ausgelöst ?

So ging es los.

Ich bin schon als Kind Eis gelaufen, jeden Tag viele Stunden. Insbesondere wurden damals Pflichtbogen trainiert. Die Pflicht liebte ich allerdings im Unterschied zu den meisten anderen. Das Pflichtlaufen hatte etwas Meditatives und war nicht so anstrengend wie 4min-Kürprogramme. Mit 15 Jahren hatte ich keine Lust mehr auf Leistungssport und - um ehrlich zu sein - hätte nie gedacht, dass ich 15 Jahre später wieder mit dem Eislaufen anfange und es mir auch noch riesigen Spaß machen würde. Natürlich machte mir als Kind am Anfang das Eislaufen Spaß, aber über die Jahre wurde das Training eher eine Qual.

So ging es nochmal los.

Ganz zufällig hörte ich 1996, dass bei den Gay Games 1998 in Amsterdam Eislaufen als Disziplin angeboten werde. Genauso zufällig stieß ich ein Jahr später auf das Hochschulsport-Programm der Humboldt Uni und dachte: "Wenn es im Sommer einen Eislaufkurs gibt, dann gibt es auch eine offene Eishalle." Die erste Person, die ich dort traf, wurde meine spätere Paarlaufpartnerin.

Das heißt: der einzige Grund, mich wieder in enge Schlittschuhe zu zwängen, war es, bei den Gay Games teilzunehmen und dabei vor allem andere eislaufende Lesben kennen zu lernen. Teilgenommen habe ich in Amsterdam und die Gay Games waren eine echte Erleuchtung für mich. Bis dato war Eislaufen für mich untrennbar mit der verstaubten Welt kleiner Mädchen in Eislaufkleidchen verbunden. Und ich hasse Eislaufkleider. Die Gay Games bedeuteten für mich: in Hosen mit schwarzen Schlittschuhen zur Musik von "Art of Noise" zu laufen. Zu dieser Zeit verstießen Hosen noch komplett gegen die offiziellen Eislaufregeln der ISU. So toll Amsterdam auch war: die Sache mit den Lesben auf dem Eis gestaltete sich eher schwierig, denn aus der ganzen Welt nahmen nicht mal zwei Hand voll teil. So beliebt das Eislaufen bei Schwulen scheint, so wenig scheint es auf der Sportartenliste von Lesben zu rangieren. Meine Mission ist daher seit vielen Jahren, weitere Lesben zu begeistern. Nach 10 Jahren konnte ich immerhin Eine rekrutieren und jetzt sind wir in Berlin schon Drei!

Direkt nach den Gay Games begannen Birgit und ich mit dem Paarlaufen. Sie ist Eistänzerin, ich Einzelläuferin. Paarlaufen war also für uns beide ganz neu. Aufgrund ihrer Schwangerschaft mussten wir nach kurzer Zeit schon wieder aufhören. Vier Jahre lief ich ab und an, ohne aber an Wettbewerben teilzunehmen. Mein nächstes Ziel waren die Gay Games in Sydney 2002. Um mich an Wettbewerbe zu gewöhnen, nahmen mich Berliner Vereinskollegen zum "Mountain Cup" in Frankreich mit. Das war mein zweiter Wettbewerb als Erwachsene und immer noch etwas komisch für mich. Dass sich Erwachsene freiwillig im Eislauf-Dress zu gefälliger Klaviermusik auf dem Eis bewegen fand ich ziemlich merkwürdig. Man muss schon etwas verrückt sein, so was zu machen. In Sydney lief ich das erste Mal unter einem anderen Wertungssystem (ISI) und das war anfangs erst recht merkwürdig. Mittlerweile liebe ich dieses Wertungssystem, weil es viel toleranter ist und nicht die stromlinienförmigen ISU-Programme produziert. Es bietet die Möglichkeit Musik, PartnerIn und Kleidung zu wählen (bedenke: offizielles ISU-Regelwerk - keine gleichgeschlechtlichen Paare, keinen Gesang in der Musik, keine enganliegenden Hosen für Männer. um nur mal ein paar Regel-Lowlights zu nennen). ISI ist dagegen mehr auf Breitensport und Entertainment orientiert. Und das gefällt mir sehr.

In Sydney habe ich zwei gute Freunde aus Köln kennen gelernt, die inzwischen die "Fabulous Skaters Cologne" gegründet haben und in Deutschland der Inbegriff schwulen Eislaufens sind und schon vier super tolle "Fabulous Cups" ausgerichtet haben.

Um es zusammen zu fassen: mein zweites Eislauf-Leben als Erwachsene begann als Zufall, stellte sich aber als Glücksfall heraus. Der Bazillus hat mich längst eingefangen.

Was begeistert Dich am aktiven Eiskunstlaufen ?

Am meisten Spaß macht es mir, ein neues Programm zu entwickeln. Oder einfach nur vor mich hin zu trullern ohne zielgerichtet etwas zu üben. Für solch einen Trainings-Luxus ist die Trainingszeit leider viel zu kurz und viel zu selten.

Gibt es auch Umstände die Dich bei diesem Sport nerven ?

Nervig beim Eislaufen ist, dass man auf die Infrastruktur angewiesen ist. Man kann nicht einfach Sportschuhe anziehen, auf die Straße gehen und rennen, wann oder wo man Lust hat. Eisläufer brauchen Trainingszeiten. Trainingszeiten, die vor allem erwachsene Läufer nutzen dürfen. Und die sind absolute Mangelware. Nicht eine regelmäßige Trainingszeit am Abend oder am Wochenende ist für Berufstätige schon eine echte Herausforderung. Da wünsche ich mir amerikanische Verhältnisse: viele Dollar zahlen, um morgens um 5 oder 6 Uhr vor der Arbeit auf dem Eis zu stehen. Da sind allein die $ Einlasskriterium.

Ein eislauftechnisches Erfolgserlebnis woran Du Dich gerne erinnerst ?

Ein Moment auf dem Eis hat sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt. Das war bei der Paarlaufkür mit Birgit bei den Gay Games 2006 in Chicago. Birgit stand einen Axel (den sie noch nie in einem Wettbewerb gemacht hatte). Noch während unseres Programms begegneten sich unsere Blicke und Birgit grinste einfach nur übers ganze Gesicht. Dieser Augenblick ging absolut unter die Haut. Dass wir auch noch gewonnen haben, war eigentlich Nebensache.

Ein Missgeschick (lustig / traurig / schmerzlich) auf dem Eis, was am besten nicht passiert wäre ?

So ganz schlimme Stürze habe ich selten gehabt. Mein Knie war meine ganze Kindheit durch bunt, weil ich beim Sprünge lernen stets auf die gleiche Stelle gefallen bin.

Dein durchschnittlicher Trainingsaufwand pro Woche / auch Trockentraining ?

Mein Trainingspensum ist sehr unterschiedlich. Mal trainiere ich wochenlang fast nicht, weil es keine Trainingszeiten gibt. Wenn es mal viele Zeiten gibt und ich es jobmäßig einrichten kann, laufe ich auch mal 2 bis 3 mal pro Woche eine Stunde. Off-ice bin ich mehr als faul und mache gar nichts.

Welches Eislaufelement gefällt Dir besonders gut ? Kannst Du bzw. noch nicht ?

Gerade mache ich am liebsten diverse Schritte. Im Paarlaufen will ich unbedingt noch die Todesspirale lernen.

Welches Eislaufelement trainierst Du im Augenblick besonders intensiv ?

Ich trainiere kein spezielles Element. Ich bin froh, wenn ich noch möglichst lange halten kann, was ich augenblicklich kann.

Ein Aha-Erlebnis und eine Erfahrung im Training, die ich gerne teilen möchtest, weil sie vielleicht Anderen hilfreich ist ?

Musik auflegen und ziellos dazu laufen. Dann und wann kommt echter "Flow", ohne dass man sich anstrengen muss.

Was möchtest Du auf jeden Fall noch erreichen / gibt es Grenzen im Sport für Dich ?

Mission: (immer noch) doppelt mit 50. Dazu müssen die Knochen und alles andere also noch 9 Jahre durchhalten.

Nach welcher Musik läufst Du am liebsten / möchtest Du einmal laufen ?

Ich habe meist eher untypische Eislaufmusiken. Also nichts Klassisches. Bin schon zu einer Oper gelaufen, zu Metallica, zu Lounge-Musik, zu einem Blues, zu einer Disco-Schmonzette, zu Elvis. Letzte Saison war mit Connie Francis eine Schnulze dran, kommende Saison wird es eine eher schräge Musik.

Welche/r Eisläufer/in inspiriert Dich besonders und warum ?

Auf der sportlichen/künstlerischen Seite ist Kurt Browning für mich DER Kufenkünstler schlechthin. Diesem Mann kann man egal welche Musik geben und er wird was Tolles dazu choreografieren. Er braucht keinen Sprung und keine Pirouette, er wirkt einfach mit seiner unglaublichen Präsenz auf dem Eis. Auf der unkonventionellen Seite ist Sascha aus Köln mein Lieblings-Eisläufer. Ich bin jedes Mal gerührt, wenn ich ihm zusehe. Toll, nach 20 Jahren Fussball mit dem Eislaufen zu beginnen und zu wissen, dass er (O-Ton) "doch nie ein richtiger Eisläufer" wird. Genau solche Eisläufer braucht es, die unerschrocken die eingeschworene Eislauf-Gemeinde etwas aufwirbeln.

Gibt es eine gesehene Kür, die Dich nachhaltig beeindruckt hat ?

John Curry - "After All" (sensationell: eine Verbindung aus Pflichtfiguren und Kürelementen).

Gibt es ein Kür / Free skate / Spotlight an der Du im Augenblick arbeitest ?

Nein, noch nicht. Ich würde ja gerne. Aber ich bin gerade verletzt (nein, nicht vom Eislaufen) und muss noch etwas warten. Dann aber geht es los mit einem Programm zu einer Musik von "Mobi". Als Spotlight werde ich ein Stück von Pink Martini nehmen, ein Chanson. Beim Paarlaufen darf Diana Ross noch eine weitere Saison für uns trällern.

Welche Musikauswahl hast Du getroffen / Warum diese / Was möchtest Du damit zeigen ?

Dein Kürkostüm ? Wie bist Du dazu gekommen 

Meist habe ich viele Ideen im Kopf, wenn ich mir die Stücke dann genauer anhöre, finde ich alles furchtbar ungeeignet zum Eislaufen. Am besten waren die Musiken, wo andere sagten: Nimm doch mal dieses.

Welche Herausforderung stellen sich Dir dabei besonders ? (Tempo, Sprünge, Schritte) ?

Meine größte Herausforderung ist die Kondition. Knapp drei Minuten Programm werden mit zunehmenden Jahren immer lääänger und ich bin danach völlig ausgepumpt.

Was ist für Dich bei Wettbewerben wichtig ?

Mir ist wichtig, einen guten Kompromiss aus den Anforderungen des Wertungssystems und dem, was mir selbst gefällt, zu finden. D.h. nicht nur für Preisrichter zu laufen, sondern für mindestens ebenso für das Publikum und für mich selbst. Dazu gehören bei mir meist auch kalkulierte Punktabzüge (Musiklänge, Vocals, früher Hosen, nicht erlaubte Elemente wie Rutschen über das Eis o.ä.). Wenn man die Regeln nicht etwas ausdehnt, werden sie sich nie ändern. Wenn ich (annähernd) das zeige, was ich auch im Training kann, dann bin ich sehr zufrieden mit mir. Mit wenigen Ausnahmen war das in den vergangenen Jahren auch der Fall.

Gibt es ein bestimmtes Ritual, einen Glücksbringer oder einen bestimmten Ablauf, der für Dich vorher wichtig ist ?

Die Zigarette direkt vor dem Einlaufen. danach natürlich auch.

Dein nächstes Ziel im Eissport ist ?

In 2009 stehen wieder der Fabulous Cup und der Mountain Cup an, in 2010 dann die Gay Games in Cologne. Bis dahin muss ein neues Programm mit Birgit zu einer absolut minimalistischen Musik stehen. Die Musik ist uns bei einem langen Cocktail-Abend über den Weg gelaufen. Und dann wollen wir natürlich unseren Titel als "Damen-Paarlauf-Weltmeister" verteidigen oder würdig abgeben.

Eine Eislauffee erfüllt Dir 3 Wünsche ! Welche sind es ?

1. Kondition,

2. keine Fussschmerzen,

3. Alles zu beiden Seiten/auf beiden Füßen zu können

Dein Ausruf / eine Ermunterung / eine Botschaft von Dir an alle Eislauf - Breitensportler ist ?

Auf Lesben: rein in die Eislauf-Puschen! Die sind gar nicht so rüschig, wie viele vielleicht meinen!

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Hier kannst du deinem Herzen Luft machen und konstruktive Kritik üben. Schreibe - was Dich zum Thema Eiskunstlauf - Breitensport bewegt und was für Dich verbesserungswürdig.
Deine öffentliche Meinung ist wichtig und hilft Bewußtsein zu verändern !

Zunächst mal wäre es schön, wenn erwachsene Eisläufer von ihren Vereinen und Verbänden etwas ernster genommen würden. In vielen Städten kämpfen die erwachsenen Eisläufer damit, Trainingszeiten zu bekommen und müssen quasi selbstverständlich hinter jugendlichen Leistungssportlern zurück stehen. Auf Abruf mal eine Trainingszeit am Abend oder Wochenende zu haben ist ja ganz schön, aber für ein regelmäßiges Training nur ein Brosamen. Wir wollen nicht nur die Krümel, sondern auch die Streusel vom Kuchen!! Zweitens wünsche ich mir, dass die ISU ihre Ignoranz (oder eher ihre Phobie?) gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber aufgibt. Genauso wie der Fußballbund verneint, dass es lesbische Fußballerinnen gibt, so ignoriert der Eislaufverband, dass es schwule Eisläufer gibt. Das ist natürlich völlig absurd und jeder weiß, dass jedes Frauenfußball-Team aus etlichen Lesben besteht und in der internationalen Eislaufspitze vermutlich mehr schwule als heterosexuelle Männer starten. D. h. ich wünsche mir, dass die ISU ihre Ressentiments aufgibt und in ihr Regelwerk aufnimmt: "Ein Eistanz-/Paarlaufpaar besteht aus einer Damen und einem Herren [neu: oder zwei Damen oder zwei Herren]. Und ersatzlos gestrichen werden sollte der Absatz: " Die Dame muss die Frauenschritte laufen, der Herr die Herrenschritte." (nur sinngemäß zitiert). Einige Wettbewerbsorganisatoren (Mountain Cup, DEU-Pokal) sind hier schon sehr progressiv und ermöglichen gleichgeschlechtlichen Paaren den Start in der Kategorie "Spotlight". Das ist prima und weist in die richtige Richtung. Mein Wetteinsatz, dass ich nicht binnen der nächsten 10 Jahre mit meiner Partnerin bei einem offiziellen ISU-Wettbewerb starten darf, wäre gleichwohl sehr hoch. Drittens sind die Regeln, nach denen Erwachsene bei Eislaufwettbewerben starten bei jedem zweiten Wettbewerb anders. Der "DEU-Pokal" hat ein eigenes Regelwerk, die ISU hat Regeln, die Ami's laufen bei ihren "Adult Nationals" quasi nach ISU-Regeln, aber modifizieren sie wieder. Dann gibt es die ISI-Wettbewerbe. Es ist ziemlich mühsam, sich durch diese Regelwerke zu wühlen und immer die richtige Programmlänge für mehrere Wettbewerbe zu finden. Zudem geht das ISU-Regelwerk an vielen Stellen völlig an den Verhältnissen und dem Können von Erwachsenen vorbei. Diese Regeln wurden für internationalen Spitzensport gemacht und werden einfach auch für Erwachsenen-Wettbewerbe genutzt. So kommt es, dass im Einstiegsbereich, LäuferInnen keine Punkte für mühsam trainierte Elemente bekommen, weil für einen Dreifach- und Vierfachspringer z. B. ein Dreiersprung nichts wert ist (und keinen Punkt erhält). Das ist für Einsteiger beim Eislaufen ziemlich frustrierend. Auch in sich ist das Wertungssystem nicht konsistent. Ein Beispiel: für eine Kombination aus drei einfachen Rittbergern erhält ein Läufer mehr Punkte als für einen Doppelrittberger. Wenn ich aber 100 Eisläufer fragen würden: Was ist schwerer - drei einfache Rittberger oder ein Doppelrittberger", dann würden 100 Leute antworten: "Natürlich ein doppelter Rittberger." D. h. das Wertungssystem der ISU müsste für den Erwachsenen-Bereich komplett überarbeitet werden - und zwar unter Beteiligung von erwachsenen Sportlern.

 

*

* Interview vom 12.08.2008

Nachgefragt :

1. Wie sieht der ideale Eislauf-Verein für Dich aus. Welche Wünsche und Erwartungen sollte dieser Verein erfüllen, damit Du Dich Wohl fühlst? Wie wichtig ist Dir das so genannte Vereins-leben ?

Ehrlich gesagt, ist mir ein Verein nur mittelbar wichtig. Mittelbar insofern als ein Verein natürlich nur durch die Menschen darin lebt. Wichtig ist mir, dass ich mit netten Menschen das Eis teile, dass man sich gegenseitig auf dem Eis respektiert. Perfekt wäre ein Verein, der noch dazu tolle Trainingsbedingungen (= viel Eis zu unterschiedlichen Zeiten) anbieten kann. Natürlich ist ein Verein immer auch ein Geben und Nehmen. Viele Vereine entwickeln ja auch eine Eigendynamik, nicht umsonst gibt es die sogenannte „Vereinsmeierei“. Wenn also nur noch „gemeiert“ wird – also Sippen- und Vetternwirtschaft, Grüppchenbildung und Spaltereien – dann hat der Verein meist seinen ursprünglichen Satzungszweck verfehlt und sollte mal wieder nachlesen, was eigentlich das Ziel der gebildeten Gemeinschaft ist.

2. Wie entwickelt sich Dein Kürprogramm ? Machst Du Alles allein ? Hast Du noch Trainer-stunden ? Warum ja/nein?

Die erste Idee zu einem Programm entsteht meist im Kopf bei der Musikauswahl – oder sogar schon davor. Im letzten Fall suche ich z. B. aktiv nach einer Schnulze. Wenn ich die Musik ohne konkretes Thema wähle, dann lasse ich sie meist ein paar Freunde hören (die am besten gar nichts mit Eislaufen am Hut haben) und frage sie, welche Eigenschaftswörter oder Stimmungen ihnen zu dieser Musik einfallen,

Der nächste Schritt ist oft, dass ich die Musik ganz analytisch zerlege und teilweise grafisch aufschreibe/zeichne, wie lange welche Musikparts sind. Dabei kann ich schon festlegen, welche Elemente in der Musik in etwa wohin müssen. Denn: ein Längsschritt dauert ca. 35sec., eine sit spin ca. xy sec., eine flying spin mit change of foot and change of position z sec. Da ich viel mit Videoschnitt arbeite, weiß ich ziemlich genau, wie lange ich für ein Element benötige. Insofern gibt es ein Rohkonzept auf dem Reißbrett, was die reine Reihenfolge der Elemente angeht. Soweit der „technische Teil“, den ich in der Regel alleine mache. Aber nur damit wäre ein Programm „leblos“.

Der eher künstlerische Teil fehlt noch und der ist (für mich) viel schwerer. Dazu brauche ich auf jeden Fall auch jemanden, der/die von außen drauf guckt, Feedback gibt, Anregungen gibt. Eine gefragte Partnerin für mich für den Küraufbau ist auf jeden Fall Birgit, häufig sitzen wir auch in einer Kneipe und schmieden Ideen. Beim letzten Programm hat Birgit eine Musik zum Improvisieren aufgelegt, die in etwa das Gefühl meiner Kürmusik trifft. Dazu haben wir frei improvisiert, während die Kamera auf dem Stativ stand und alles aufnahm. Sonst sind alle guten Ideen oder spontanen Bewegungen, die einfach ohne zu überlegen aus dem Körper kommen, meist nicht wieder reproduzierbar.

Improvisieren geht bei mir nicht auf Abruf. Ich brauche eine ganze Weile, bis ich in dem Modus bin „Ich denke nicht mehr an die Elemente, die hier oder dort hin müssen… ich laufe einfach das, was die Füße machen…“. Heißt, der Kopf ist viel zu viel eingeschaltet und blockiert spontanes Laufen. Von 30min aufgenommenem Material gibt es vielleicht ein paar verwertbare Sekunden.

Das zusammensetzen von passenden Bewegungen mit den geforderten Elementen geschieht im nächsten Schritt. Das ist der härteste Teil, weil meist nicht alles so passt wie gewünscht. Dann fängt das eigentliche Fummeln und häufig wiederholen und auf Musik ausprobieren an. Die Verbindungen müssen geschliffen werden, die Abfolge muss in die Füße kommen, damit der Kopf nicht mehr überlegen muss. Und das Ganze noch mit einer „inneren“ Haltung verbinden, damit es nicht wie abgespult aussieht.

3. Eine Herausforderung - die “Todesspirale” im Paarlauf. Welchen Part übernimmst Du? Welche wird es werden - vorwärts/rückwärts/ einwärts/auswärts? Gibt es “ängstliche” Aspekte vor diesem Element?

Ich werden unten sein, Birgit im „Zirkel“. Andersherum wären die Fliehkräfte und Hebelverhältnisse zu ungünstig, da Birgit etwas mehr Länge und Gewicht hat. Vermutlich wird es vorwärts einwärts werden. Aber ich stelle mich ziemlich ungeschickt an. Unglaublich, an welchen Stellen ich schon höllischen Muskelkater hatte, da bei Paarlauf-Elementen Muskeln beansprucht werden, die ich nie vorher brauchte. Mein Respekt vor Paarläufern steigt täglich. Ja, auch Muffe habe ich davor, einfach „blind“ runterzugehen. Wir haben eben noch nicht den richtigen Dreh raus.

4. Zu Deiner “Elvis - Kür” trägst Du zu Deinem schönen Kostüm eine etwas größere Perücke mit Tolle und Sonnenbrille. Wie sehr beeinflusst es Dich beim Laufen und Springen ?

Dieses Kostüm hat mich erstaunlicher Weise überhaupt nicht beim Laufen gestört. Die Brille war gut unter der Perücke fixiert, die Perücke bombig mit Tonnen von Haarspray fixiert. Da rutschte rein gar nichts. Die Sonnenbrille ist beim Laufen mit Scheinwerfern sogar ein Vorteil, da man vor Sprüngen nicht ganz so geblendet wird.

Was allerdings ein Problem ist: mit offenen Haare Sprünge machen, wenn sie zu lang geworden sind. Ich verliere dann in der Luft die Orientierung, wenn die Haare vor die Augen fliegen. Auch ein Problem sind Brüste, die bei Sprüngen oder Kopfüber-Hebungen aus dem Kostüm zu hüpfen drohen. … Also: tiefe Dekolltées nur für Flachbrüstige. Für mich besser alles sicher verpackt.

5. “Improvisation” beim Fabulous Cup 2008. War es Dein erster Wettbewerb in dieser Kategorie? Wie war Dein Gefühl davor/dazu/dabei/danach ? Deine persönliche Herausforderung dabei? Du hast Dein Video davon gesehen. Was sagst Du zu Deiner Interpretations-Kür ? Bist Du im nächsten Jahr wieder in dieser Kategorie dabei ?

Improvisation, also die Musik 15min vor dem Wettbewerb das erste Mal hören und dann ab aufs Eis. Das war in der Tat mein erstes Mal und davor hatte ich die meiste Muffe, weil ich ja nicht wußte, was für eine Musik kommt. Ich hatte mir innerlich vorher die Hintertür offen gelassen, spontan Magenkrämpfe zu bekommen und nicht zu laufen, wenn die Musik gar nicht geht. Ich bin da sehr launisch. Wenn mir was nicht gefällt, dann kann ich dazu nicht gut laufen. Und genau so war es: es war eine (für mich) grottenlangweilige Musik. Nicht mal beim Einlaufen hatte ich irgendeinen Funken, was um Himmels willen ich dazu laufen soll. Ich bin dann eigentlich aufgrund eines Paktes mit Philippe, dem Organisator des Fab Cup, doch gelaufen. Als ich die Aufnahme im Anschluss gesehen habe, fand ich sie gar nicht schlecht. Die Langeweile springt so aus jeder Pore, dass es schon wieder gut ist.

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Gay Games 2002

Grimma 2005

Fabulous Cup 2005

Gay Games 2006

Paarlauf mit Birgit A. -

Fabulous Cup 2005

Fabuluos Cup 2007

Paarlauf mit Birgit A.

Schaulaufen

Mountain Cup 2007

Free Skate -

Moutain Cup 2007

Fab Cup 07 - Production Team: Birgit A., Bettina K. und Georg K.

Fabulous Cup 2008

Free Skate

Spotlight Kür

Fab Cup 2008

Fabulous Cup 08 - Paarlauf

Fabulous Cup 2009 - Solo Free Skate

 

Spotlight

Fabulous Cup 2009

"Pink Martini"

 

Birgit A., Sascha H., Bettina K.

Bettina und Birgit

mit Diana Ross song: Upside down

same-sex-couples 7 - 1. place

Bettina und Birgit mit Andreas und Arndt